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Donnerstag, 8. Januar 2015

Sylt (Gastpost) - Teil 1

Die Leserin Antje schickte uns einen tollen Reisebericht über Sylt
 
 


Ohhh ich hab' solche Sehnsucht,
ich verliere den Verstand!
Ich will wieder an die Nordsee, ohoho
ich will zurück nach Westerland!
(Die Ärzte)


(Ok, ich gebe zu, als zum ersten Mal der Name Sylt in unserer Urlaubsplanung fiel, war ich nicht gerade begeistert. Die Insel der Reichen und Schönen, zu teuer, eine zu lange Anfahrt mit der Bahn – ach, es gab so vieles, was ich an Argumenten hervorbrachte. Wie man durch meinen Bericht erkennen kann, gezogen haben die Argumente nicht und so reiste ich in der 1. Oktoberwoche auf die nördlichste deutsche Insel.)

Man erreicht Westerland mit der Bahn über den 1927 eröffneten Hindenburg-Damm durchs Wattenmeer. Autofahrer können den Auto-Shuttle nutzen. Gute 11 Kilometer ist dieser Damm und nicht nur Urlauber, sondern auch viele Pendler nutzen diese Möglichkeit. Der Damm führt direkt durchs Wattenmeer. Stille und Ruhe strahlt das Meer im Osten der Insel aus.

Hauptort der Insel ist Westerland. Hier befinden sich der Bahnhof, der Zentrale Omnibus-Bahnhof und in der Nähe ein Flughafen. Im Zentrum der Stadt finden sich viele Geschäfte, Cafes, Restaurants… In den Seitenstraßen kann man aber auch niedliche kleine Restaurants abseits der großen Ketten entdecken.

Anders als in anderen Orten der Insel, die sich den typischen Charme der Friesenhäuser bewahrt haben, prägt ein in den 70er Jahren entstandener Bauboom an typischen Plattenbauten das Bild der Innenstadt. Man sucht sich also eher eine gemütliche Pension am Rande der Stadt, leiht sich ein Fahrrad oder nutzt die gute Busanbindung um die Insel zu entdecken.

Machen wir also nun eine kleine Spritztour über die Insel, von Hörnum im Süden bis hin nach List am Norden.

Hörnum – ein kleiner Ort mit Hafen an der Südspitze – lädt ein zu einem Spaziergang am Strand. In den vergangenen Jahrhunderten hat Sylt durch Erosion viel von seiner Landfläche verloren. Man versucht, das mit Wellenbrechern und Buhnen zu verhindern. Ob das allerdings gelingen wird, bezweifeln selbst eingefleischte Sylter. Die Strände sind unterteilt in Familienstrände, Jugendstrände, Hundestrände und FKK-Strände und ziehen sich über den ganzen Westen der Insel.

Fährt man mit dem Bus von Westerland nach Hörnum und zurück, so fragt man sich zwischenzeitlich wirklich, ob man nicht eher eine exotische Urlaubsreise gebucht hat. Puan Klent, Wasserfall Sansibar und Samoa (bezeichnenderweise die beiden südlichen FKK-Strände der Insel) sind 3 Haltestellen und zumindest am Wasserfall Sansibar sollte man wirklich aussteigen. Apres Ski in den Dünen – ja so kann man es beschreiben. Die „Sansibar“ ist bekannt für seine edlen Weine, die im Keller lagern und in diesem Jahr sponsert die „Sansibar“ die Würzburger Kickers – eine Tatsache, die wohl am ehesten bislang unserem Mario bekannt gewesen ist.

Östlich von Westerland liegen Tinnum (Standort des Flughafens) und Keitum. Zwei Orte, wie sie konträrer nicht sein könnten. Tinnum, obwohl ein Ort mit Geschichte (damaliges Inselgefängnis), ist der Ort, in dem in den 60er Jahren viele Arbeiter ansässig wurden und Familien gründeten. Kinder dieser Familien sind aber häufig auf dem Festland beschäftigt und können die Häuser nicht mehr halten, da der Wert der Einfamilienhäuser auf Sylt den Wert von Häusern auf dem Festland um ein Vielfaches übersteigt und man so seine Geschwister in Erbengemeinschaft nicht mehr ausbezahlen kann. So verkauft man ein Stück Familiengeschichte. Und zum größten Teil werden diese Häuser dann einfach abgerissen und weichen luxuriösen Neubauten.

In Keitum finden sich viele typische Friesenhäuser wieder, die einstmals im Besitz von Kapitänen waren. Viele Relikte aus früherer Zeit entdeckt man im Sylter Heimatmuseum direkt auf dem Kliff. Trachten, Fliesen, Spinnräder, Porzellan, Erinnerungen an den Walfang und die Schifffahrt zeichnen unter anderem das Leben in früheren Zeiten nach. Ein größerer Teil widmet sich Uwe Jens Lornsen, in Keitum geboren, der sich für die Unabhängigkeit Sylt von Dänemark einsetzte. Daher bezeichnet man ihn wohl als größten Sohn der Insel und ihm widmete man auch die höchste Erhebung der Insel – die 52,5m hohe Uwe-Düne südlich von Kampen. Im 2. Stock des Heimatmuseums kann man die Veränderung der Insel über die Jahrhunderte besichtigen, in einem zweiten Raum wird man in die Welt des Ziegenstalls von Kampen entführt. Nun, hier handelt es nicht um eine tierische Behausung, sondern um „tierisches Vergnügen“, welches die Sylter Tänzerin, Kabarettistin und Schauspielerin Valeska Gert mit der Eröffnung einer Nachtbar in Kampen Anfang der 50er Jahre bot. Dieser Raum steht mit der Unruhe der Gemälde an der Wand und der Musik der Valeska Gert in krassem Gegensatz zu der Stille der anderen Räume.

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